Month August 2016

Einheimische über sich

Einheimische Männer klagen, dass einheimische Frauen verklemmt, verbohrt und spiessig seien. Einheimische Frauen wettern, dass einheimische Männer leidenschaftslos, aromantisch und verblendet seien. Ich glaube keinen. Ich misstrauen beiden. Doch vermutlich bewege ich mich in anderen Szenen und kann solche Aussagen nicht pauschal stützen. Ich behaupte, wir sind alle frustriert und unerfüllt. 

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Ich seiltanze zwischen bürgerlicher und antibürgerlicher Existenz. Mit diesem Blog versuche ich mein Gleichgewicht zu halten. Ich stamme vom Mittelland.

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Verschlafen

Ich fürchte mich vorm Verschlafen. Das Verschlafen korreliert mit meiner Arbeitsmotivation. Momentan bin ich gering motiviert. Ich habe keine Lust. Ich möchte irgendwie nicht. Ich bin vermutlich leicht depressiv. Ich sehne mich nach Glück, nach Liebe und Sexualität. Ich mag nicht stets sublimieren.

Ich hatte früher fast jeden Job verloren, weil ich verschlafen habe. Es war schon zwanghaft. Ich fürchtete mich jede Nacht. Ich schwitzte, ich wälzte mich im Bett. Ich konnte nicht einschlafen, weil ich verängstigt war, dass ich am nächsten Morgen verschlafen werde. Es war eine selbsterfüllende Prophezeiung. Ich verschlief jeweils.

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Was machen wir mit den sexuell Frustrierten?

Gesellschaft, wir haben ein Problem. Wir haben so viele Menschen, die sexuell frustriert und nicht mehr liebensfähig sind. Diese Menschen verbittern und verursachen letztlich Kosten im Gesundheitswesen. Wie können wir das lindern? Wie können wir diesen Menschen helfen? Wie können wir wieder “glücklich” sein?

Zunächst müssen wir aber das Problem anerkennen. Wir müssen das Problem analysieren. In meinem Beruf bin ich trainiert wie konditioniert, immer zunächst die Ursachen zu untersuchen anstatt Symptome zu bekämpfen. Typischerweise zeichne in solchen Situationen ein Ursachen-Wirkungs-Diagramm. Denn ein Problem stammt meistens von mehreren, verschachtelten und vererbten Ursachen.

Theoretisch. Aber ich erlaube mir hier und jetzt, da ich nicht beanspruche, die Welt zu verändern oder gar zu retten, eine plakative Lösung. Der Staat muss Liebesdiener engagieren. Diese Frauen könnten wir importieren. Wir bezahlen sie ordentlich, wir finanzieren eine Grundausbildung ihres Heimatdorfes. Wir garantieren ein Überleben und integrieren sie langsam. Doch zunächst müssen sie ihre Liebesdienste für maximal fünf Jahren verrichten.

Wir platzieren 100’000 Frauen. Diese darf man mittels einer mobilen Applikation buchen und für eine gewisse Dauer reservieren. Maximal zwei Wochen. Diese Frauen dürfen empfangen, also geschwängert werden. Diese Frauen dürfen aber auch “nur” ausgeführt und eingekleidet werden. Sie müssen einfach bedingungslos lieben. Sie müssen einfach ein Gefühl der Geborgenheit, des Begehrtwerden und der sexuellen Akzeptanz simulieren.

Damit würden wir die komplette Prostitution vernichten, ein kompletter illegaler Markt austrocknen. Wir würden das Sehnen, diese unendliche Sehnsucht legalisieren und somit institutionalisieren. Niemand müsste mehr vereinsamen. Niemand müsste mehr sexuell verkümmern. Dann hiesse es tatsächlich everything goes und alles sei möglich. Aber das Angebot richte sich nicht bloss fürs männliche Geschlecht, sondern gleichberechtigt fürs weibliche.

Weil hier muss man für beide Geschlechter eine unbefriedigte Sehnsucht anerkennen. Frau wie Mann sind betroffen. Beim Manne ist’s einfach offensichtlicher, weil der Mann seine Sehnsucht externalisiert. Ich kenne viele Frauen, die voller Sehnsüchte sind. Diese Sehnsüchte können sie bloss im Ausland erfüllen; auf Reisen. Dort fühlen sie sich befreit. Aber im Alltag sind der Liebe unfähig. Sie zerfressen sich langsam, sie verlieren ihre Fruchtbarkeit.

Mit dieser Massnahme könnten wir viele Herzen trösten. Wir könnte die Gesellschaft beruhigen. Wir könnten weitere Industrien erübrigen; die gesamte Partnervermittlungsindustrie, die gesamte Ausgehindustrie, alle diese sogenannten Aufrisslokale wären nutzlos, weil sinnlos. Eine schöne neue Welt wäre angebrochen. Houellebecq skizzierte die Plattform, ich die Endlösung.

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Die Projektion in der Beziehung

Wir projizieren. Beziehungen sind immer Projektion. Wir erstreben ein anderes Leben. Wir kompensieren Defizite. Wir befriedigen persönliche Sehnsüchte. So wie die eigenen Kinder sind Beziehungen immer auch Projektionen. Ich liebe dich, weil du so bist, wie ich nicht bin oder nie sein kann.

Meine Beziehungen waren meistens Projektionen. Sie waren “gezielt”. Ich wollte die einst wilde Künstlerin, die in einem quirligen Quartier haust, kaum Warmwasser hatte, eine Etagenduschen mit einigen Asylanten teilte. Wo kein Alltag ihr Leben regelte. Die mal hier, mal dort war. Die an Autobahnraststätten tourte.

Ich begehrte auch die solide Frau. Die Haus und Garten kultivierte. Die Beziehungen pflegte. Die gewinnend war. Die häuslich war. Eine anständige Ausbildung meisterte. Sich stets weiterbildete. Die finanziell abgesichert war. Die mich stabilisierte, die mich beruhigte. Die ordnete und sich umsorgte. Die kochte und putzte.

Ich habe in beiden Beziehungen persönliche Defizite oder Sehnsüchte aufgehoben. Aber in beiden Beziehungen wurde ich nicht glücklich. Ich konnte mir gute Eigenschaften aneignen. Ich konnte lernen, ich habe mich weiterentwickelt. Aber beide Beziehungen sind gescheitert. Es waren Projektionsbeziehungen.

Ich habe mich quasi “andersgeschlafen”; new dave project als Beziehungsgrund. Solche Beziehungen enden immer tragisch. Sie gründen in einer unerfüllbaren Sehnsucht. Sie basieren auf einer grossen Lüge. Sie täuschen einen. Sie simulieren Liebe, wo vermutlich nie welche war. Sie frustrieren. Weil man immer dieselben Fehler wiederholt.

Nachhaltiger sind Beziehungen, wo man einander respektiert und wertschätzt. Wo man sich selber auch liebt. Wo man den gegenüber lieben kann, ohne dass Liebe erwidert werden muss. Wo man gemeinsam wachsen kann, aber dennoch unterschiedlich. Sich nicht beengen und bezwängen muss.

Man ist eine kleine, aber verschworene Gemeinschaft. Der kleinste gemeinsame Nenner unserer einsamen Gesellschaft.

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Wieso wir gelähmt sind

Die geschätzte M. empfahl mir einen Artikel der NZZ, wo eine ansehnliche Claudia Wirz über den Narzissmus dieser Generation klagen durfte. Ich kann verstehen, wieso wir nicht protestieren, rebellieren. Wieso wir nicht kämpfen, stattdessen Selfies publizieren und Verantwortung abdelegieren.

Die Jugend sei kampflos, titelte die NZZaS kürzlich. Ich erwiderte, dass heutzutage niemand mehr die Last der Welt zu schultern vermöge. Denn die Last erdrückt, zerstört jeden. Wer gewissenhaft mit allen Problemen dieser Welt sich auseinandersetzen möchte, die Geschichte der heutigen Situation verstehen will, der wird früher oder später daran zerbrechen. Endstation ist dann die psychiatrische Behandlung oder der freiheitliche Freitod.

Was ich empfehle, ist die grosse Gelassenheit. Man solle nicht die Menschenrechtssituation in China verurteilen. Sie ist wie sie ist. China hat andere Prioritäten gesetzt. Man solle nicht den Klimawandel, die Zerstörung dieser Erde beklagen. Wer wirklich feingeistig sich mokieren möchte, der solle sich engagieren. Solle nach China reisen, dort die Kapital-Kommunisten überzeugen. Der solle jede PET-Flasche ordnungsgemäss entsorgen. Der solle jeden Flüchtling über die Grenze schmuggeln und sein Vermögen spenden.

Ich empfehle Entweder-Oder. Die Welt existiert. Ob wir leben oder nicht, ob wir uns engagieren oder nicht. Ob wir uns interessieren oder bemühen. Die menschliche Rasse wird fortbestehen. Vermutlich werden wir dereinst expandieren, fremde Systeme erkunden. Vermutlich werden wir verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Doch solange sollen wir gedulden. Wir können nichts beitragen; wir sind nichtig. Wir haben weder reach, impact noch influence. Wir können aber privat uns begnügen. Das ist ein guter Lebenssinn.

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Die Brieffreundschaft

Wer schreibt, wird wahrgenommen. Schreiben befreit, orientiert und entkrampft. Den therapeutischen Effekt habe ich bereits gewürdigt. Wer bloss alleine schreibt, verkümmert aber. Tagebücher alleine retten nicht, sie lindern bloss. Umso wichtiger empfinde ich, dass man sich austauscht. Dass man liest und gegenliest.

Die Brieffreundschaft kann das bezwecken. Ich hatte früher analoge wie digitale Brieffreundschaften. Die rein analogen endeten jeweils noch einigen Jahren. Ich kenne diese Menschen nicht mehr; ich kann mich kaum noch erinnern. Ich habe mal einem Mädchen geschrieben, vermittelt durch ein Inserat in einer Jugendzeitschrift.

Später schrieb ich analoge Briefe mit Bekanntschaften, die irgendwo fern von Olten waren. Die Mädchen waren hier beflissener. Sie parfümierten und schmückten ihre Briefe. Meine waren nüchtern, immerhin grösstenteils aber lesbar. Wir haben unser Wesen und unser Umfeld reflektiert. Wir haben jeden Brief sorgfältig und mit Bezugnahme, also direkten und indirekten Zitaten beantwortet.

Später folgten Emails. Ich debattierte über Gott und die Welt per Emails. Ich hatte einige digitale Brieffreunde. Manche habe ich auch persönlich getroffen, manche gebumst, manche nie gesehen. Die Themen waren stets intim. Es war nie für eine Öffentlichkeit bestimmt. Manche Krisen meines Lebens habe ich auch so kommuniziert und mitgeteilt. Manchmal war ich schreibend ehrlicher und zugänglicher als sprechend.

Seit mehr als fünf Jahren bewirtschafte ich keine Brieffreundschaften mehr. Ich habe keinen Kanal, dem ich mich öffnen und wo ich empfangen kann. Ich schreibe gelegentlich dem fernen R. Vielleicht schreibe ich ebenfalls der fernen M. Ich vermisse die brieflichen Auseinandersetzung. Wenn ich mit einem “Ziel” schreibe, fühle ich mich ich fleissig-flüssiger. Ein leeres Tagebuch kann einen denn auch blockieren und hemmen.

Mal sehen, was passiert.

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Gegrillt

Wir hatten tatsächlich gegrillt. Wir fanden während der gestrigen Dämmerung ein Plätzchen. Holz lag überall herum; ebenso noch Kohle vom Vorabend. Das Feuer brannte rasch. Und so sassen wir ums Feuer und tranken Bier. Grillen heisst auch zu warten. Musik aus zeitgemässen Bluetooth-Lautsprechern verkürzte das Warten auf die Glut. Danach Stecken schnitzen, Würste aufspiessen, Pizzabrot schlängeln und nochmals warten. Ohne Rost ist’s natürlich schwieriger. Wie hatten unsere Vorfahren bloss überlebt? Ich hatte eine verlorene Wurst zu beklagen.  

DBE-Grillen-Nacht

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Würdevoll altern

Auch ich altere. Ich bin nun 31 geworden. Ich bin nicht mehr der Jüngste. Diese Wehklagen langweilen mich wie dich. Daher erspare ich sie mir und dir. Dennoch möchte vom Altern sprechen. Vom würdevollen Altern. Ich musste kürzlich beobachten, wie eine Frau meines Alters, die mir unbekannt ist und blieb, nicht wahrhaben, nicht eingestehen wollte, dass sie zu alt sei.

DBE-Nacht-Party

Sie trotzte. Sie leistete Widerstand. Sie konsumierte Drogen. Sie schwankte. Sie schien jederzeit zusammenzubrechen. Ihr Blick war ohne Befriedigung. Ihre Augen verrieten eine unendliche, aber unstillbare Sehnsucht. Sie wollte leben. Doch sie ist längst verlebt. Sie ist wortwörtlich verwelkt. Sie zuckte noch, elektronische Musik temperierte ihre Bewegungen. Furchtbar anzusehen.

Ein einsamer Wolf streunte herum. Auch ihn beobachtete ich. Meines Alters. Im Alter dieser Frau. Er war einigermassen besonnen. Aber auch seine Augen offenbarte eine Sehnsucht. Er war Jäger, aber verzweifelt. Er irrte, kreiste. Prüfte die übrigen Frauen. Ich wartete, bis er seine Altersgenossin entdeckte. Und da erschien sie ihm. Er fokussiert sie aus der Distanz. Und dann näherte er sich.

Wie so üblich, muss man sich irgendwie näherkommen. Wenn die Musik dröhnt, kann man ins Ohr flüstern respektive schreien. Die Frau fühlte sich angerempelt. Zuckte zusammen, schwankte herum, ihre Körperhaltung signalisierte Flucht. Worüber sie sich unterhalten, konnte ich nicht beurteilen. Aber war einigermassen geschickt; er küsste sie immer wieder am Hals.

Er bohrte herum. Bis er sie an sich drückte und küsste. Sie war zunächst empört. Aber später liess sie sich gehen. Was hätte sie sonst tun sollen? Er war entschlossen genug, hier das leichte Opfer zu finden. Aber es schien mir so erzwungen, so verkrampft. Das war weder Leidenschaft noch Liebe. Es war bloss Trost; Ausflucht. In diesem Moment war ich glücklich; ich lächelte.

Ich entledige mich meiner Zigaretten; ging fort, blickte kurz zurück. Sie torkelten noch. Das neue, junge, frische Paar. Ich schwor, dass ich irgendwie würdevoll altern solle. Irgendwann tanzen neue Jahrgänge. Wir müssen uns zurückziehen. Wir müssen uns einsperren. Wir können zwar unsere Räume bauen, aber wir sind ausgesondert. Wir werden bald sterben.

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Danke R.

Ein gewisser R., der uns allen vertraut ist, hatte mich kürzlich beruhigt. Ich möchte in aller Höflichkeit danken. Vermutlich bist du ausgeglichener, wenn ich unausgeglichen bist und umgekehrt. Denn ich habe das Gefühl, wir wechseln uns einfach ab; wir rotieren. Aber was bedeutet das dialektisch? Müssen und können wir uns gegenseitig aufheben? Ist Heirat unsere Lösung? Doch wen heiraten wir? Du deine und ich keine?

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