Zürichs Hipster?

Wieso verlieben wir uns in Hipster? Wieso verlieben sich Frauen in Typen wie David Suivez? Ich habe kürzlich eine SRF-Reportage konsumiert, welche Davids Alltag porträtiert. Ich gestehe, ich bin schockiert. Natürlich kann man mich direkt nicht mit ihm vergleichen; ich bin kein Hipster. Ich bin technisch zu abgefuckt. Aber naja, irgendwie beschäftigt mich das schon.

Dass Davids Vater wolle, er solle das Wirtschaftsgymnasium absolvieren, rührt mich. Es macht mich betroffen. Weil ich kenne Schicksale, wo kein Vater jemals etwas forderte. Ich mag nicht, wenn die Mittelklasse kokettiert. Wenn die Mittelklasse säuselt, sie hätte alle Optionen und sei überfordert. Und danach trotzig antwortet, jetzt sei man halt Yoga-Lehrer.

Ich kann Yoga knapp buchstabieren. Mich interessiert Yoga bloss, weil meistens geile Frauen geile Sex-Stellungen nachahmen. Das erregt mich. Ansonsten ignoriere ich Yoga. Ich verurteile aber niemanden, der Yoga praktiziert. Ich bin liberal. Gewiss würde ich auch gerne irgendwelchen geilen Miezen den ebenso geilen Arsch betatschen. Als Yoga-Lehrer ist man legitimiert; als Doppelgänger weniger.

Das Getue über «Verantwortung» und den tiefen Lebensinn, den David spürt und auch blumig ausdrückt, als er seinen Sohn vor laufender Kamera erzieht, mag ich ebenfalls nicht. Natürlich erfordern Kinder neue Fähigkeiten. Ein Kind erzieht uns mehr als wir das Kind jemals werden. Aber ich müsste nicht so dramatisieren wie David. Irgendwie bin ich voreingenommen. Ich vermute, das ist Davids grosse Masche, um Frauen zu bumsen.

Die SRF-Reporterin, selber bereits verhipst, war merklich angetan. Sie schwärmte. Zwei-drei kritische Fragen musste sie allerdings durchlassen. Ansonsten könnte man sie verdächtigen. Ihr Mit-Reporter durfte den Hobby-Hipster spielen. Mässig begabt skatete er, präsentierte seinen unförmigen Bart und bot zwischendurch tapsige Sprüche. Schauderhaft.

Wie reagieren wohl die Menschen Oltens, wenn sie diesen Bericht sehen? Ich kenne niemanden, der sich begeistern liesse. Einige Trotzige gewiss, die vermutlich mich bloss ärgern wollen. Doch vom Herzen, tief und fest, verachten wir ihn alle. Obwohl er nichts Böses oder Schlechtes tut. Man kann ihn wirklich nicht verurteilen.

Aber es ist irgendwie so falsch, so gekünstelt. So zwangshaft. Aber leider bestätigt der Erfolg ihn. Er fickt regelmässig. Er wird porträtiert. Immerhin. In Olten filmt man bloss B., der ist auch als einziger einigermassen kameratauglich. In diesem Video erklärt B. seine Liebe. Ebenfalls eine SRF-Produktion. Und dort spüre ich mehr Ehrlichkeit, mehr Authentizität.