Naivität ist gut

Wer emotional riskiert, gewinnt und verliert gleichermassen. Wir fürchten Abhängigkeit, Bindung und Vertrauen. Ich mittlerweile aber nicht mehr. Mich besorgt nicht mehr, dass jemand mich verletzen könnte. Ich möchte nämlich nicht steril und leidenschaftslos lieben wie leben. Ich würde mein Verhalten jederzeit wiederholen.

Das, weil ich naiv bin. Ich könnte zwar ebensogut abgeklärt und zynisch sein. Liebe verharmlosen. Die Wirkung verblenden. Aber ich mag nicht. Ich möchte mich lieber verausgaben. Ich möchte lieber erfahren und spüren. Ich möchte atmen. Ich vertraue. Ich glaube. Schimpft mich naiv.

So werde ich halt ausgenutzt. Ich überlebe. Denn ich fühle mich nicht so. Denn mich beseelt, Menschen zu lieben, ohne dass sie Liebe erwidern. Ich liebe bedingungslos. Wieso müsste ich mein Verhalten ändern? Ich gewinne und verliere. Ich gewinne Momente der wahren und tiefen Liebe. Ich verliere das Glück früher oder später.

Man kann mich schädigen. Aber ich könnte mich selber zerstören. Ich könnte von der Krete stürzen. Ich könnte ins Wasser steigen. Ich könnte mich mit Anforderungen überfordern. Dagegen verblasst Liebeskummer. Liebeskummer ist befristet. Die allgemeine Unruhe aber nicht. Die dauert. Ich akzeptiere.

Auch regulär vertraue ich den Menschen. Wieso sollte ich ihnen misstrauen? Ich belaste mich bloss. Ich versteife, wenn ich immer zweifeln muss. Ich vereinfache. Also ist jeder Mensch per Default gut und vertrauenswürdig. Einen Vertrauensvorschuss. Ich anerkenne diesen Vorschuss allen Menschen. Sie müssen mich widerlegen.

Wer so agiert, kann viel mehr Bindungen etablieren. Weil das erhöht die Chance, dass jemand das geschenkte Vertrauen mir anvertraut. Ich möchte nicht, dass man sich zwanghaft revanchieren muss. Ich will eine Option ermöglichen, dass man sich annähern kann. Ansonsten enden Zusammenkünfte, ohne dass man verbunden ist. Damit enttäuscht man sich viel mehr. 


Eine Antwort zu «Naivität ist gut»

  1. […] ich akzeptiere und verstehe das. Man darf mich als gutmütig verunglimpfen. Schliesslich bevorschusse ich jeden Menschen. Ich habe in meiner Vergangenheit mit N. auch schon debattieren müssen, dass C. […]

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