Mit Dialogen experimentierend

Dialoge müssen manchmal sein. Ich schreibe vorzugsweise stets in einer dritten Person. Das distanziert. Doch manchmal muss man das Dramatische verstärken. Man muss einen Dialog wiedergeben. Aber bitte behutsam. Denn ich verabscheue Romane, die bloss mit direkten Reden sich irgendwie füllen können. Ich hatte kürzlich einen Dialog über den Selbstmord rezitiert. Heute experimentiere mit einem Gespräch mit einem Treuhänder.

“Wir müssen einen Strohmann installieren. Wir müssen uns unbedingt tarnen. Niemand soll erfahren, dass wir ausscheren. Dennoch müssen wir bereits jetzt rechtskräftig agieren können. Erste Verträge müssen bereits vorm operativen Start unterschrieben werden können. Was meinst du?”, so präzisierte D. sein Begehren unmittelbar, ohne Umwege, ohne Floskeln der Nettigkeiten. Er missachtete gewiss Begrüssungsrituale, banale Fragen nach dem Wohlbefinden, nach dem Wohlbefinden der Familie und so weiter. Doch die Situation hat ihn so angespannt, diese Fragen bangen und besorgen ihn dermassen, dass er sie unmittelbar und ungefiltert ausdrücken musste. Er konnte nicht anders.

“Keine Sorge”, versicherte der Treuhänder, “wir werden eine Lösung finden. Ich habe solche Gründungen bereits mehrmals praktiziert. Ich bin darin erfahren. Allerdings basieren solche Lösungen immer auf Vertrauen. Du musst also mir vertrauen können. Glaubst du, du kannst das?” – “Ich will meinen. Ja, ich muss dir vertrauen, habe ich denn auch Alternativen? Wem soll ich noch vertrauen, wenn nicht dir? Ich muss. Ohnehin bin ich dafür bekannt, dass ich Vertrauen gerne auch vorschiesse. Du hast also nun die Möglichkeit, mein Vertrauen zu missbrauchen. Aber ich denke, wir wollen gemeinsam wachsen.”, entschärfte D. und liess damit bereits eine klassische Win-Win-Situation andeuten.

Die beiden Herren einigten sich ohne Vertrag. Der Treuhänder amtet für einen definierten Abschnitt als alleiniger Verwaltungsratspräsident. Er kann über das vollständig verflüssigte Aktienkapital der Gesellschaft verfügen. Er hat alle Vollmachten. Er kann Verträge abschliessen, Barbezüge tätigen und alles, was ihm begehrt. “Ich werde alles mit deiner Absprache erledigen und nichts ohne deine Einwilligung tun.”, beruhigte der Treuhänder D., “Du brauchst dich also nicht  zu sorgen. Stattdessen kannst du dich ums Fachlich-Inhaltliche kümmern. Ich werde dir den Rücken freihalten.” – “Gut, genau das brauche ich”, dankte schliesslich D.

Oder so. So ganz zufrieden bin ich nicht. Aber bekanntlich übe ich hier auch bloss. Eine spätere Iteration überzeugt mich dann wohl mehr.


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