Meine Schwächen

Ich bin nicht perfekt, ich bin nicht vollkommen. Ich bin nicht immer einfach im Umgang und in Verwaltung. Man kann zwar meine Bedienungsanleitung studieren. Doch das regelt nicht das Zusammenleben, vereinfacht es höchstens. Ich bedauere beispielsweise meine bescheidenen Haushaltsfähigkeiten. Ich kann weder kochen noch putzen.

Wenn ich etwas säubere, dauert es immer Stunden. Ich bin zwar bemüht und erledige alles pflichtbewusst, manchmal mit peinlicher Sorgfalt. Das kann Nerven strapazieren. Ebenso hadere ich mit der Medizin. Ich mag mich nicht mit persönlichen Gesundheitssorgen beschäftigen. Ich möchte mich nicht prüfen oder impfen lassen.

Ich ertrage lieber Schmerzen. Ich verzögere jeden Arztbesuch. Ich habe auch einen Telefondoktor. Den kann ich erst nach einigen Tagen der Überwindung konsultieren. Andere Menschen würden solche Themen sofort erledigen. Ich scheue mich stets. Medizin blockiert, lähmt mich. Ich kann nicht einmal zuschauen oder zuhören.

Ebenso vergesse ich gerne meine Vergangenheit. Ich mag nicht immer über alle Erlebnisse plaudern und alles offenbaren. Alle unendlichen Geschichten, die ich besitze. Ich habe sie bereits in diversen Notizen verewigt und hinlänglich verarbeitet. Ich möchte nicht immer wieder mich beschämen müssen. Ich weiss, dass ich manchmal missraten bin.

Wenn ich betrunken bin, kann ich zwar meine Vergangenheit dramatisieren und damit prahlen. Aber auch das beschämt mich im Nachhinein. Manchmal möchte ich bloss schweigen. Das kann irritieren. Ich möchte damit niemanden ablehnen oder verletzen. Und auch möchte ich niemanden mit meiner Vergangenheit belasten.

Ich blicke vorwärts, ich blicke voraus und überdies bin ich optimistisch gesinnt. Das kann auch verärgern. Meine Parolen wiederholen sich. Manchmal wird aber nicht immer alles wieder gut. Manchmal ist wirklich etwas verloren gegangen. Manchmal kann man etwas nicht mehr kitten. Manchmal fällt man wieder aufs Startfeld zurück.

Ich könnte alles relativieren und beschwichtigen, alles begründen und erklären. Ich könnte immer diskutieren und mich für alles entschuldigen oder bedanken. Das kann verstören. Denn manchmal sollte man einfach mal handeln. Ein Kuss, eine nette Geste, ein Wegräumen. Eine kleinere Anerkennung des Alltages. Man muss nicht alles zerreden.

Ich bin nicht perfekt. Ich bin mir dessen bewusst. Mich kann man auch nicht direkt und unmittelbar verändern. Denn ich ändere mich automatisch, sonst nicht. Ich habe einen sturen Grind. Ich habe mich seit jeher durchgesetzt und werde das weiterhin. Mein Erfolg bestätigt mir’s. Ich ruhe auch nicht, bevor ich meine Träume verwirklicht habe.

Denn ich bin nicht genügsam. Ich will mehr von allem und von allem mehr. Ich giere, ich bin unersättlich. Zwar kann man mich vorübergehend bremsen, sedieren und beruhigen. Doch ich entflamme wieder. Stressige Phasen können mich bedrücken, doch bloss vorübergehend. Denn ich erneuere und befeuere mich stets. Das kann verschrecken.


Eine Antwort zu «Meine Schwächen»

  1. […] selber möchte keinen Liebesentzug instrumentalisieren. Aber ich bin gewiss nicht perfekt. Ich neige zu diesem Verhalten; ich kenne meine Tendenzen. Ich versuche die Situationen zu […]

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