Eine Welt ohne Sexualität

Die Sexualität reduziert unser Lebenszweck auf die reine Arterhaltung. Im Verhalten der Menschen setzen Muster sich durch, wie sie Sex erreichen können. Man kann sich schmücken oder wie Italiener mit kitschigen Tattoos sich zieren, man kann sich bilden, man kann Witze erzählen, man kann sich selber darstellen, man kann Geld häufen.

Es sind nicht die Variationen, die mich faszinieren. Mich fasziniert, dass der Sexualtrieb weiterhin so dominiert. Wir könnten uns eigentlich über wichtige Themen, über die grossen Krisen der Zeit auslassen. Wir könnten Lösungen erarbeiten, um den Welthunger zu besiegen. Das tun wir, aber nicht in der Masse, die nötig dazu wäre. Verborgene und den Meisten nicht zugängliche asketische Menschen tüfteln für und an einer besseren Welt.

Stattdessen verschwenden wir Lebensenergie, um Sex zu haben. Mehrere Industrien begleiten diese unendliche Sehnsucht. Inwiefest wir befriedigt sind, mag ich bezweifeln. Dennoch beklagen wir niedrige Geburtenraten. Das ist mein, ein grosser Widerspruch. Einerseits so sexualisiert, andererseits so unfruchtbar! In den grossen Weltstädten hat man zwar Sex, gleichzeitig aber kaum Kinder, kaum Verpflichtung und Bindung. Die enthemmte Sexualität ist ein Experiment unserer Zeit, das durch dating apps über ganze Dörfer sich ausbreitet.

Wir mechanisieren die Sexualität. Wir entkoppeln Sexualität mit Bindung, mit Fortpflanzung. Die Sexualität ist bloss noch ein Zeitvertreib. Ein Antidepressiva, ein süchtigmachendes Opiat. Die Frauen werden kalte Muschis. Sie überbieten sich mit Obszönitäten; die einen gurgeln Sperma, die anderen hüllen sich in billigen Stoffen. Die Männer besingen ihre Freiheiten. Wollen heute die eine, morgen die andere. Und überschätzen ihre Manneskraft. Wenn sie keine Erektion haben, beschuldigen sie die kalten Muschis.

Natürlich betrifft mich das alles irgendwie auch. Zwei Optionen habe ich. Die eine beschwört die romantische Liebe, diese kleine Verschwörung gegen die Welt, dieser kleine Widerstand, um gegen die kalte Welt zu trotzen. Ein sicherer Hafen, wo man frei ist. Wo man verstanden ist. Wo man sich entfalten kann. Wo man gemeinsam wachst. So wie einst auch hier dargestellt.

Doch die andere ist die finale Entkoppelung der Fortpflanzung von Sex. Ich will damit nicht das Klonen andeuten. Sondern die planmässige Zucht. Der Menschenpark. Ausgewählte Trägerinnen, genetisch einwandfrei, werden mit aufgewerteten, weil künstlich verbesserten Spermien geschwängert. Diese Trägerinnen werden staatlich verwaltet. Sie leben in Menschenfabriken. Sie produzieren on demand Nachwuchs. Eine Art Sexsteuer finanziert das alles.

Sobald geboren, werden die Buschis mit Verbesserungen optimiert. Ich denke nicht bloss an alle möglichen Impfungen, sondern auch an alle möglichen Medikamenten, welche die Entwicklung begünstigen. Ebenso werden die Kinder planmässig herangezogen. Man bildet Techniker, Intellektuelle, Arbeiter, Sportler, Komiker. Die Erziehung ist keine Privatsache mehr, sondern ein grosser gemeinschaftlicher Zivilisationsakt. Nichts ist zufällig.

Ich erhoffe mir davon, dass die menschliche Sexualität dadurch endlich als beliebiges Konsumgut abgewertet werden kann. Eine tauschbares Gut. Eine explizite, aber institutionalisierte Befriedigungsindustrie lindert die schlimmsten Sehnsüchte. Die Befriedigung kann sowohl real inform von anerkannten Liebeshelfern als auch virtuell mit einer direkten Mensch-Maschine-Schnittstelle dosiert werden. Nichts ist zufällig.

Wer mich kennt, weiss, was ich bevorzuge. Ich möchte meine erste Option lösen.


Eine Antwort zu «Eine Welt ohne Sexualität»

  1. […] beschmunzelt und erheitert mich. Als ob “jemand” uns prüfen wolle. Eine Alternative kennen […]

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