Dynamische Preise

Zurück zum Tagesgeschäft. Die Preise im Grossverteiler können bald variieren. Das Mad Wallstreet, eine Abfüllkette ausm Hinterland, hat seinerzeit die Getränkepreise dynamisiert, der Preiselastizität angepasst. Die Bierpreise wechselten stündlich. Das verführte das Publikum, lieber jetzt als später massenhaft Bier zu bestellen.

Auch im Flugverkehr ist der Preis undurchsichtig. Verworrene Mainframe-Systeme, die mittels virtualisierten Schnittstellen und verklungenen Webservices gekapselt sind, kalkulieren aufgrund überlieferten Geschäftslogiken minütliche Preise für jeden Sitzplatz. Ob hier Nachfrage einen Preis festlegt, ist nicht nachweisbar.

Wenn Grossverteiler nun also wenigstens Rabatte agilisieren wollen, wie die NZZaS enthüllen durfte, freut mich das. Denn die Grossverteiler sind momentan noch etwas sehr Sozialdemokratisches. Alle bezahlen gleich viel. Ob der facettenreiche Fredi oder die generösen Gieblers. An der Kasse sind sie schliesslich, so Gottlieb, alle gleich.

Aber nun erobert der späte Kapitalismus die letzte sozialdemokratische Bastion. Ich frohlocke, weil damit totalisiert der Kapitalismus unser Lebensgefühl, dass wir vollständig den Marktgesetzen ausgeliefert sind. Wir werden ohnmächtig und können fürderhin keinen Preis mehr reproduzieren.

Ich als 3+ würde ein fingiertes Format lancieren, das gescholtene Nachbarn spioniert, wie viel sie für eine Milch berappen müssen.


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