Das Schreiben als Arbeit

Wer arbeitet, muss überleben. Tätigkeiten, die ich Arbeit heisse, garantieren mein Funktionieren. Sie sind kein Tun, das ich freiwillig praktiziere. Sondern weil ich muss, überleben und funktionieren muss. Schreiben kann auch eine Schreibarbeit sein. Insbesondere, wer journalistisch ist.

Der zähste Text ist, der nicht mit einen fokussierten Akt erstellt werden kann. Sondern der Fleiss und eben Arbeit bedeutet. Man arbeitet sich Absatz für Absatz vor. Man jongliert mit Synonymen und achtet auf Wiederholungen. Alle fünf Minuten muss man sich kurz zerstreuen, das Tab respektive den Bildschirminhalt wechseln.

Eine A4-Seite muss so in mühseliger Stunden erkämpft werden. Kein Satz ist geschenkt. Irgendwann ist das Tageswerk beendet. Sodann prüft man es kritisch und ist unzufrieden. Man fühlt sich entsaftet, man zweifelt. Wie einfältig, wie alltäglich ist nun mein Text? Man glaubt, den Text verschlimmbessert zu haben.

Ich kann nicht auf Befehl formulieren. Also ich könnte schon, aber dann produziere ich, was ich als standardmässig und gewöhnlich empfinde, worauf mein Selbstbewusstsein nichts sich einbilden kann. Solche Produkte sind Arbeit. Und ich hasse Arbeit. Ich meide Arbeit, wo möglich.

Demgegenüber verehre ich natürlich den sogenannten “Fluss”. Das ist der spontane, weil unaufgeforderte und nicht planbare Schreibfluss, der unmittelbar sich entladen muss. Und dann muss ich nichts nachdenken, nichts korrigieren oder erzwingen. Dann kann meine optimierte Mensch-Maschine-Schnittstelle die Gedanken verstofflichen.

Solche Momente sind rar. Ich glaube, wer hauptberuflich schreibt, kennt diesen Fluss gewiss, aber dieser Fluss entspricht selten dem Alltag. Man kann nicht quasi berauscht einen Roman aus einem Guss vollenden. Das Produkt ist viel zu komplex. Das überfordert die kognitiven Kapazitäten. Zumindest meine.

Der ultimative Schreibfluss kann sich bloss im Essay-Charakter behaupten. Ein kleiner Gedanke, der sofort anregt und diesen Schreibfluss verursacht. Doch solche befruchtenden Gedanken sind sprunghaft, scheu und wegen der Arbeitsdisziplin vorm Aussterben bedroht. Sie können also nicht in einem Essay-Labor gezüchtet werden.

Was bleibt, ist zu erkennen, dass Schreiben auch Arbeit bedeuten kann. Und dass weder Künstlertum noch Genialität notwendig sind, um irgendwas schreiben zu können. Schreiben kann jeder. Man darf das Schreiben nicht romantisieren oder mystifizieren. Es ist kann auch blosse Arbeit sein. Harte Arbeit.


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