Alleine altern

Ich fürchte mich, alleine zu altern. Altern allein ist bereits eine Qual, die meine Generation verdrängt. Mein Körper ist grösstenteils noch intakt. Aber ich spüre meinen Zerfall. Bald werde ich vierzig. Dann verwelke ich. Nach einer langen Nacht entdecke ich morgens bereits erste Augenringe. Diese verschwinden aber tagsüber; mein Haut verfettet rasch. Aber auch meine Hände sind morgens wie ausgetrocknet. Ich habe ein Drittel meines Lebens gemeistert. Ich habe einiges gelernt.

Ich habe unter anderem gelernt, dass ich nicht alleine altern möchte. Ich werde altern. Wir alle werden altern. Aber ich möchte diesen Prozess in einem sicheren Hafen geniessen. Ich möchte würdevoll altern. Das kann bloss, wer einigermassen aufgehoben, gesichert und geliebt ist. Wer irgendwo alleine in einer grossen Weltstadt haust, bloss flüchtige Beziehungen unterhält, kann nicht würdevoll altern. Er quält sich bloss. Er versucht, alle Symbole das Alters zu verzögern, zu kompensieren.

Daher müssen wir unsere Beziehungen intensivieren, fürs Alter sparen. Ich meine nicht bloss Liebesbeziehungen, diese meine ich besonders. Ich meine auch «normale» Beziehungen. Denn die meisten Beziehungen begleiten einen bloss für einen sogenannten Lebensabschnitt. Sie verflüchtigen sich dann. Hier müssen wir Netzwerke schaffen, die überdauern, die nicht bloss auf einen Moment beschränkt sind. Wir können immer wieder neu uns verknüpfen, aber Vertrauen erreichen wir bloss durch stabile Konstellationen.

Also, seid stabil, veruntreut euch nicht selber. Stabilisiert eure Beziehungen. Sodass ihr nicht alleine altern müsst. So wie Capus es auch im guten Leben vorlebt.