Die Jahre des Schaffens

Ich bin besessen, dass unsere schöpferische Lebensenergie endlich ist. Wir können zwar wirken und überzeugen, aber bloss befristet. Wir können nicht die Energie konstant gleich hoch dosieren. Wir verpuffen und verausgaben uns alle. Früher oder später. Wir verbrennen. Wir verwelken. Wir sterben.

Ich prognostiziere allen Menschen mindestens fünf Jahre intensiver Schaffenskraft. Für fünf Jahre kann man lodern. In einem Thema, in einer Domäne. Man kann eventuell weltweit oder mindestens regional reüssieren. Sei es als Barkeeper, Journalist, Schriftsteller, Künstler, Geschäftsmann oder Playboy.

Aber irgendwann ist die Energie verbraucht. Man verflacht. Man verfault. Man erschöpft das Thema. Man erzwingt, man ist verkrampft. Man ist nicht mehr spontan und schöpferisch und ungestüm. Man verliert gewisse Unschuld. Man ist zu bemüht. Denn alles, was entsteht, ist es wert, dass es zugrunde geht.

Auch ich bin endlich. Auch ich kann alles verballern. Ich verschwende. Ich verschwende meine Themen, ich verschwende mein Leben. Doch bewusst. Ich achte und respektiere meine Zyklen. Ich starte bald eine berufliche Wiedergeburt. Meine künstlerische Phase endet aber. Vermutlich verhungert dieser Blog.

Ich habe mich irgendwie verpflichtet für eine Kunstausstellung im Dezember. Aber diese werde ich vermutlich nicht mehr umsetzen. Ich will haushalten. Ich will mich schonen. Weil ich andere Ziele ebenfalls verfolge. Ich möchte meine künstlerische Energie nicht heute fehlinvestieren. Ich kann alles später nachholen.

bd

Ich seiltanze zwischen bürgerlicher und antibürgerlicher Existenz. Mit diesem Blog versuche ich mein Gleichgewicht zu halten. Ich stamme vom Mittelland.

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