Ich bin auch körperlich und menschlich. Ich bin nicht nur verkopft und kann allem und allen meinen puren Willen aufzwingen. Ich weiss, dass die Welt zwar auch durch den Willen und durch die alleinige Vorstellungskraft gestaltet oder mindestens beeinflusst werden kann – doch letztlich bin ich wie alle hier körperlich behaftet und dementsprechend eingeschränkt und ausgeliefert letztlich.
Ich berichte manchmal über meine körperlichen Leiden. Diese werden erwartungsgemäss mit fortschreitendem Alter zunehmen. Mein Geburtstag jährt sich ebenfalls alsbald; korreliert also wunderbarst, dass ich mich beschwere.
Ich leide unter Schwindel. Ich fühle mich verkatert, obwohl ich nachweislich nicht betrunken am Vorabend war. Ich kann manchmal kaum gerade stehen, gehen oder mich bewegen; ich möchte mich stattdessen verkriechen und Youtube-Videos schauen, Brille ablegen und einfach in meinem gekühlten Wohnzimmer verstecken. Zusätzlich schmerzen meine Augen; ich möchte sie schliessen – doch auch das ist mir verwehrt, sie beginnen zu zucken, und ich kann meinen Blick nicht halten. Sie driften und ich schiele.
Ich suche derweil bewusst nach körperlichen Gründen, um zu überdecken, dass mein Leiden offensichtlich psychosomatisch begründet ist. Denn ich bin körperlich eigentlich gesund, Cholesterin ist zwar leicht erhöht, aber mein Lebenswandel erklärt das treffendst. Ich ignoriere klassische Ernährung; stattdessen schaufle ich unentwegt Burgers und saufe regelmässig Bier, rauche und wecke mich mit Red Bull. Abends esse ich bloss Süsses aus der Kinder-Produktfamilie.
Alles, was von eigentlichen psychischen Ursachen ablenkt, ist mir genehm und bequem genug; ich könnte mich nun in unzähligen Abklärungen mit Fachärzten erschöpfen, einen HNO-Arzt aufsuchen oder doch einen Kardiologen konsultieren – oder mich mal röntgen und durchspülen lassen. Aber dazu bin ich wiederum zu faul; ich begnüge mich mit einer Selbstdiagnose.
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