Heimliche Überforderung

Die issues stapeln sich. Dein Backlog rinnt. Du hast die Welt im Rücken. Du bist müde, erschöpft. Du willst dich bloss betrinken, du willst wegrennen. Du willst vergessen. Aber du kannst nicht. Du bist erwachsen und vernünftiger geworden. Du wirst dich stellen und alles meistern müssen. Denn du hast keine Alternative.

Du kannst nicht ausm Fenster springen. Du kannst dich nicht erhängen. Du kannst nicht auswandern. Du kannst nicht zum Sonnenaufgang feiern. Du musst kämpfen, dich beweisen und behaupten. Du bist bedrängt. Du erhöhst den Druck. Du steigerst deine Ansprüche. Du riskierst Fehlleistungen. Du kannst nicht warten.

Das Gefühl der heimlichen Überforderung erinnert mich, dass ich gratwandere. Dass ich balanciere. Dass irgendwann mein Körper rebellieren könnte. Dass ich irgendwann zusammenbrechen könnte. Aber dass ich auch irgendwann ultimativ reüssieren kann. Im fragilsten Moment ist alles möglich. Die Optionen donnern und blitzen.

In diesem luftig-flüchtig-gefährlichen Moment bin ich glücklich. Dieser Moment richtet und entscheidet. Dieser Moment berauscht und befeuert. Everything goes, aber jetzt wirklich-wirklich. Entweder-Oder dirigiert mein Tun, meine Persönlichkeit. In diesem Moment bin ich euphorisiert, energisch und geladen. Alles wegweist sich.

bd

Ich seiltanze zwischen bürgerlicher und antibürgerlicher Existenz. Mit diesem Blog versuche ich mein Gleichgewicht zu halten. Ich stamme vom Mittelland.

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