Unbestimmt

Zwischen den Welten

Ich vereine modernste und agilste Management-Techniken mit klassisch-fatalistischem Weltschmerz sowie aufgeklärter Abgeklärtheit. Typischerweise ist man hier Entweder-Oder. Ich bin Sowohl-Als-Auch. Und das ist explosiv. Für beide Welten.

DBE-Gesellschaft-Spektakel

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Ich seiltanze zwischen bürgerlicher und antibürgerlicher Existenz. Mit diesem Blog versuche ich mein Gleichgewicht zu halten. Ich stamme vom Mittelland.

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Ohne Grundeinkommen keine Digitalisierung

Wie ihr wisst, ist das bedingungslose Grundeinkommen einer meiner drei politischen Themen. Neben dem bedingungslosen NATO-Beitritt und dem ebenso bedingungslosen EU-Beitritt wünsche ich mir ein bedingungsloses Grundeinkommen. Darüber darf das Volk demnächst richten.

DBE-Tagi-Magi-Frei-von-Arbeit

Meine Branche phantasiert von einer Digitalisierung. Jeder zweite Tweet in meinem Umfeld beschwört die sogenannte Digitalisierung. Doch leider wird die Digitalisierung verkümmern. Wir wollen alles automatisieren, verbessern, sprich digitalisieren, aber wir stoppen, enden immer bei gesellschaftlichen Diskussionen.

Wie gehen wir mit allen diesen Menschen um, die nach der Digitalisierung niemand mehr will?

Hier trumpft das Grundeinkommen. Das Grundeinkommen grundiert den sozialen Frieden. Es sichert jedem ein einigermassen würdiges Leben. Niemand ist mir angehalten, um eine soziale Existenz kämpfen zu müssen. Das Grundeinkommen festigt den berühmt-berüchtigten brüchigen Lack/Kitt der Zivilisation. Wir können Aufstände und Hungersnöte und individuelle oder kollektive Gewaltexzesse, politisches Irrlichtern – zumindest hierzulande – endgültig verbannen.

Weil das Grundeinkommen befreit die Wirtschaft von ihrer sozialen Verantwortung. Die Wirtschaft kann nun digitalisieren. Die Wirtschaft kann automatisieren. Und eine automatisiert-digitalisierte Wirtschaft könnte sogar bedürfnisgerechter produzieren. Wir sind bereits defacto eine Überflussgesellschaft, welche Ausschuss (Abfall!) produziert, den wir alle irgendwie bezahlen. Aber wir sind noch zu wenig digital, um wirklich-wirklich lean fabrizieren zu können, was wir wirklich-wirklich benötigen.

Die totale Digitalisierung bedingt ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Ohne ein bedingungsloses Grundeinkommen endet die Digitalisierung in der Angst, Arbeitsplätze zu vernichten. Wir dürfen radikal und visionär sein. Das Grundeinkommen schafft komplett neue Arbeitsplätze. Das Grundeinkommen steigert die Produktivität, weil es die Digitalisierung moralisch-sozial legitimiert. Ansonsten streiten wir in einigen Jahren, wenn alle sich digitalisieren wollen, wohin wir den menschlichen Altlasten, wohin wir die Jungen und Alten, die überflüssig geworden sind – wohin wir sie möglichst unauffällig verfrachten sollen.

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Wer erinnert sich noch ans Millennium?

everything goes – so prahlten wir Ende Neunziger. Man verabschiedete die Weltgeschichte, man feierte das Internetz und eine komplett neue Industrie. Man beschwor die Automatisierung aller Bereiche. Man wähnte sich liberal. Man fühlte sich sicher. Man hatte gewonnen. Everything goes. Wir waren alle trunken.

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Was war geschehen? Sechszehn Jahre später? Sechszehn Jahre älter? Haben wir einen Kater?

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Die alles durchdringende Kälte

Ich sehe zwei Möglichkeiten, wie sich unsere Welt weiterentwickeln könne. Die eine ist die eines natürlichen Kältetodes. Die andere ist die einer klassischen Utopie gemäss Star Trek. Heute befasst ich mich mit dem Kältetod.

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In Adornos Dialektik der Aufklärung wiederholt sich der Begriff der bürgerlichen Kälte. Darin befürchtet Adorno eine lediglich funktionierende Warengesellschaft. Die Kulturindustrie Kaliforniens hat Adorno gewiss beeindruckt während seines Exils. Doch seitdem hat sich alles verändert. Aus heutiger Perspektive können wir bloss schmunzeln, dass jemand die Zerstreuung und die Kälte menschlicher Beziehung bemängelte. Wir haben uns längst daran gewöhnt und sind viel weiter.

1) Die künstliche Reproduktion

Die künstliche Reproduktion wird demnächst institutionalisiert. Die künstliche Reproduktion erlaubt eine selektive Zucht. Wir produzieren on demand und bedürfnisgerecht. Die Notwendigkeit, dass zwei Menschen sich paaren und damit Widerstand leisten, wird obsolet. Und wenn es keiner Notwendigkeit bedarf, wieso muss man also sich zusammentun? Wieso muss man sich zuweilen mässigen und arrangieren? Die künstliche Reproduktion wird die Art und Weise, wie Menschen zusammenleben, radikal verändern. Statt Fleiss, Ausdauer bishin Beharrlichkeit motivieren einen Vergnügen, Zerstreuung und Selbstverwirklichung.

2) Die Eigenverantwortung

Heute schimpft man, wer keinen Erfolg habe, sei selbstverschuldet. Demnächst werden alle Verantwortungen einen übertragen. Man wird verantwortlich gemacht, wenn man zu früh stirbt, zu spät stirbt, wenn man erkrankt, wenn man einen Job verliert, wenn man depressiv wird. Alles ist pathologisch und alles hat eine Ursache. Man ist default schuldig und hat seine Unschuld zu beweisen. Und damit radikalisiert sich das Verhalten der Menschen untereinander. Man rutscht wie in einen Reptilienmodus. Entweder stellt man sich tot, fügt sich einem “Schicksal”, man flüchtet oder man kämpft in einer Lose-Lose-Eskalationstufe. Jeder gegen jeden. Man fällt auf sich alleine zurück, man misstraut jedem.

3) Die Virtualität

Die moderne Maschine hat die klassische Kulturindustrie längst überholt. Bereits heute können wir uns in komplett austarierten virtuellen Welten vergnügen und zerstreuen. Wir müssen uns nicht mehr in der Realität binden und verpflichten. Wir können gezielt uns versenken. Demnächst können wir die Mensch-Maschine-Schnittstelle um weitere Geräte erweitern; Tastaturen und ähnliche Kontrollfunktionen werden überkommen. Wir verknüpfen unser Gehirn mit der Maschine und schaffen beliebige Welten. Diese Welten beherrschen wir. Wir können sie kontrollieren. Die Ungewissheit der realen Welt ist vergessen. Wir können uns entscheiden, ob wir unseren Lebensabend im Tessin oder als Millionär in einer weitaus gediegeneren Matrix geniessen wollen. Und Beziehungen werden funktional gesteuert, den momentanen Bedürfnissen entsprechend.

4) Die Ernährung

Das gemeinsame Mahl hat was Revolutionäres. Das letzte Abendmahl Jesu hat eine grosse Weltreligion begründet und überliefert die Gastfreundschaft eines gesamten Kulturkreises. Sich zusammentun, gemeinsam das wirklich Wichtigste zu vollenden, festigt menschliche Beziehungen. Dieser Event ist magisch. Wie viele Ideen, wie viele Kriege, wie viele Revolutionen, wie viele Entscheidungen wurden während einer gemeinsamen Mahlzeit getroffen? Wie viele Beziehungen gestärkt? Aber bereits heute haben wir eine stark erkaltete und isolierte Esskultur. Was in Adornos Kalifornien bloss eine Andeutung war, hat sich heute fast überall ausgebreitet. Und demnächst ersetzt der functional food das “echte” Essen. Und damit verlieren wir die Notwendigkeit, fürs gemeinsame Mahl uns zusammenzurotten. Und umso mehr wir uns auseinanderleben, umso kälter werden wir. Das Essen können wir vermutlich noch am längsten bewahren, wohingegen die Reproduktion, die Eigenverantwortung und die Virtualität uns längst besiegen werden.

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Hungertod oder Heldentod?

Aus zeitlosem Anlass ein Zitat kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Spenglers Untergang konstruiert einen Gegensatz zwischen Hungertod und Heldentod, worin er folgendes erkennt:

Die Politik opfert Menschen für ein Ziel; sie fallen für eine Idee; die Wirtschaft lässt sie nur verderben.

Wen die Armut plagt, der liest einen solchen Satz anders. Wer materiell einigermassen saniert ist, muss weder einen Hunger- noch einen Heldentod fürchten. Uns bedrohen keine Kriege. Wir kämpfen nicht für Ideen. Wir haben auch keine.

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Die geheime Botschaft ist der Selbstmord

Aus Jean Baudrillards Der Geist des Terrorismus vorgelesen, eine schmucke Nachttischlektüre aus aktuellem Anlass:

Die geheime Botschaft ist ganz einfach der Selbstmord, der unmögliche Tausch des Todes, die Herausforderung an das System durch die symbolische Gabe des Todes. In gewisser Weise die absolute Waffe.

Wir schliessen das Thema. Mehr soll und kann nicht mehr gesagt werden. Eventuell werden Oli und Hessler neue Erkenntnisse gewinnen. Seien wir gespannt!

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Wieso man Terroranschläge ignorieren muss

FB-Paris-2015

Letzte Woche wiederholte sich das Spektakel. Im Januar resümierte ich, dass ein vergangener Anschlag demnächst vergessen sei. Der vergangene Anschlag schien denn auch vergessen – bis zum verhängnisvollen 13. November 2015. Seit dem vergangenen Anschlag kämpft der Schengenraum auch zufälligerweise mit dem sogenannten Flüchtlingsproblem. Man durfte Schlagzeilen wie Völkerwanderung oder auch Bleibt doch daheim! lesen. In der Zwischenzeit wählte der schweizerische Souverän noch eine neue Legislative. Soviel zum Tagesgeschehen.

Der heutige Terrorismus hat sich selber perfektioniert. Er setzt Zeichen. Er stammt aus der Hoffnungslosigkeit und Alternativlosigkeit der gegenwärtigen Weltordnung. Das Selbstmordattentat ist der letzte bewusste Akt, den ein Individuum als Widerstand noch aufbringen kann. Weil Widerstand ist zwecklos.

Die heutigen Vereinigungen, die terrorisieren, inszenieren sich und ihre Taten als Spektakel, das von der Empörung der westlichen Zivilisation zehrt. Hier und da werden Geisel medienwirksam geköpft, Zivilisten massakriert und Minderheiten eliminiert. Die Aktivitäten werden vermarktet, auf Youtube und Facebook hochgeladen, wo dann Kommentatoren sich zerfleischen.

Wir nähren den Terrorismus nicht nur, indem wir unsere Ordnung und unsere Werte der Peripherie der westlichen Zivilisation aufzwängen, sondern auch, indem wir angemessen reagieren auf solche Ereignisse. Jede Berichterstattung bestätigt den Terrorismus, jede öffentliche Kondolenz stärkt den Terrorismus. Und jeder Luftangriff legitimiert den Terrorismus.

Was kann man also tun? Widerstand ist zwecklos – das wissen auch die Terroristen. Sie wissen, dass sie die Welt nicht mehr umdrehen können. Sie mögen zwar ein Paradies sich geschaffen haben, wo ganz gewiss keine westlichen Bodentruppen einmarschieren werden. Doch ihre Wirkung ist begrenzt, lokal eingeschränkt. Sie wissen, dass sie die Welt nicht verändern können. Aber der Terrorismus will allen beweisen, dass er handlungsfähig ist – trotz alldem.

Was uns bleibt, ist reine Demut. Wir müssen solche Ereignisse so gut als möglich ignorieren. Wir dürfen keinesfalls Terroristen hetzen, wir dürfen sie nicht weltweit verfolgen. Wir müssen uns aus dieser Gefangenschaft befreien. Wir strafen den Terrorismus mit Ignoranz, wir vergiften seinen Nährboden. Wir bleiben ruhig. Denn wir haben längst gewonnen, ob wir wollen oder nicht. Die westliche Zivilisation wird fortbestehen, der Kapitalismus und die Weltordnung sind alternativlos.

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Wieder reaktiviert

Die Ereignisse nötigen einen, Alt-Vergessenes zu reaktivieren. Ich will diese Hilfe im Internetz, die orientiert, aber auch desillusioniert, weiterhin offerieren. Gewiss reicht meine knappe Freizeit nicht, daher best effort.

Ich nutze diese Möglichkeit, zeitgleich die Technologie dieser Seite zu optimieren. Den Inhalt dieser Seite kann man nun bequem beliebten Netzwerken teilen. Ebenso kann man benachrichtigt werden, falls meine Kollegen oder ich neue Beiträge publizieren.

BTW: Ein Kommentar angesichts Hess’ Abwesenheit zum Tagesgeschehen folgt. Der Weltgeist ruft Hess, Hess aber treibt business mit den locals.

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Währungskrise? – Wieder vergessen!

Die momentan noch als Hintergrundsrauschen wahrnehmbare Währungskrise wollte ich am Höhepunkt kommentieren. Leider habe ich diesen Höhepunkt verpasst. Nun verfault das Thema immer mehr. Doch das kommt mir entgegen.

Denn ich hätte nicht mehr verhindern können, dass ich mich ausgetobt hätte über Scheindiskussionen innerhalb des Spektakels. Ich verabscheue nämlich Sondersendungen, Sonderberichterstattungen und Sonderbeilagen. Sie alle verstärken bloss mein Gefühl, es sei surreal. Diese hypnotischen Wiederholungen und Beschwörungen betäuben einen fast.

Ich bin erleichtert, ist’s nun vorbei. Einige Nachzügler werden zwar noch einige Gedanken repetieren, damit ist’s aber auch wieder erledigt.

bd

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