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Der Widerstandskämpfer

Unser, mein Widerstand ist etwas Abstraktes und Nicht-Gegenständliches. Der Feind ist ein gedanklicher. Ich werde nicht konkret meines Lebens bedroht. Ich muss nicht hungern. Und doch fühle ich mich als Widerstandskämpfer. Mein Widerstand verblasst aber, wenn ich solche Geschichten lese. Kürzlich in der NZZ am Sonntag aufgeschnappt:

Die Freiheiten, welche die europäischen Gesellschaften bieten, empfindet er als Leerraum. Nur theoretisieren, demonstrieren und studieren hilft ihm nicht, diese Leere mit Inhalten zu füllen. In dieser Zeit vermittelt eine befreundete Anwältin einen Kontakt zu kurdischen Widerstandskämpfern. Das ändert alles.

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Ich seiltanze zwischen bürgerlicher und antibürgerlicher Existenz. Mit diesem Blog versuche ich mein Gleichgewicht zu halten. Ich stamme vom Mittelland.

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Wie viel Tragödie erträgst du?

Ich bin sehr empfänglich für Tragödien. Tragödien ermuntern, erfrischen und verjüngen. Sie erinnern, dass man lebt und spürt. Früher war ich (sehn-)süchtig nach Tragödien. Mein Lebenslauf kann man denn auch tragisch lesen. Mittlerweile ist mein Verhältnis abgeklärter. Darüber reflektiere ich in diesem Beitrag.

Viele Menschen fürchten das Tragische. Sie sehnen sich nach dem happy end der Kulturindustrie. Darin lösen sich alle Spannungen und Erregungen. Zeitgemässe Serien wie Gute Zeiten Schlechte Zeiten erregen die Gefühle der Zuschauer. Sie dramatisieren, sie übersteigern, bis sie alle Gefühle sich wieder in guten Zeiten lösen und senken. Das Wechselspiel ist absehbar und jedem Zuschauer gewohnt-bewusst.

Produkte der zweitmächtigsten Kulturindustrie, blockbusters, die den Zuschauer “hilflos” seinem Schicksal überlassen, werden bloss von Fachkundigen gewürdigt. Die Mehrheit der Zuschauer fürchtet sich vorm einsamen “Zurückgelassenwerden” in Ungewissheit, ob alles in guten Zeiten sich wieder aufheben mag. Soviel zum breiteren Kontext.

Meine Tragödie

Ich war jahrelang besessen, dass das Leben tragisch sei. Mittels der Tragik wollte ich meine Gegenwart bewältigen. Ich war tragisch, die Welt war’s folgerichtig umso mehr. Ich konnte mich erklären. Ich konnte Muster in meinem Verhalten begründen. Und wer begründet, tröstet. Denn ich brauchte Trost. Ich brauchte Erklärung. Ich brauchte Ahnung, wieso ich war, wer ich bin und so weiter. Alle Ereignisse meines bewegten Lebens könnte ich der allgemeinen Tragödie zuschreiben. Eingeweihte wissen vermutlich um diese Ereignisse; ich will sie hier nicht einzeln listen und bewerten. 

Das gefühlte Leben

Ich habe mich stattdessen am Leben selber berauscht. Wieso muss ich das Leben als grosse Tragödie führen? Wieso muss ich mich immer verausgaben? Ich strebe stattdessen nach Glück, nach privatem und zuweilen kleinem Glück. Im stillen, einsamen Augenblick, wenn ich meine Augen schliesse, wenn ich mein unstetes Herz spüre, wenn ich reflektiere und wortwörtlich innehalte, wenn ich dann zurückblicken kann und nichts bereuen muss, dann fühle ich mich. Ich fühle mich zufrieden und erfüllt.

Ich träume gerne und viel. Träume haben nichts Tragisches. Stattdessen bejahen Träume das Leben. Ich möchte Momente teilen. Ich möchte gemeinsam Nachhaltiges schaffen. Ich möchte gemeinsam Widrigkeiten überwinden. Ich möchte gemeinsam Widerstand leisten. Ich werde nicht kapitulieren und resignieren und alles als Tragödie vermiesen.

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Der Unruhe Friede

Wenn Fussball alle Aufmerksamkeit trichtert und Einzelschicksale Amok laufen, dann bediene ich mich gerne im Giftschrank, um meine Zeitgenossen aufzumuntern:

Einen langen Krieg ertragen wenige, ohne seelisch zu verderben; einen langen Frieden erträgt niemand.

Frisch zitiert aus Spenglers Jahre der Entscheidung. Die entscheidenden Jahren mögen zwar nicht die heutigen sein, aber sie werden folgen. Das verspreche ich euch.

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Was mache ich beruflich?

Mein Umfeld beschäftigt, was ich so tue. Soviel vorweg: Ich baue nicht. Ich kreiere nicht. Ich ermögliche, befähige bloss. Ich bin Unternehmensberater. Ich möchte in diesem Beitrag nicht meinen Beruf heroisieren, sondern erklären, was ich tue und wieso ich es tue.

Ich werde dort eingesetzt, wo es etwas schiefgeht. Ich bin selten unterwegs, wo alles floriert. Denn dort bin ich überflüssig. Ich nähre nämlich mich vom overhead, von Ineffizienz und Ineffektivität. Ich werde gerufen, um auszuhelfen, neue Wege zu weisen. Ich bin gewissermassen unbefangen, Hofnarr und darf aussprechen, was niemand sagt, weil wagt.

Mein Auftrag

Derzeit bin ich hauptsächlich in Basel. Ich berate ein Unternehmen, das die Agile Transformation anstrebt. Agile Transformation bedeutet, dass das Unternehmen sich radikal wandeln möchte. Unternehmen müssen sich anpassen, weil sie sonst disruptiv überholt werden. Etliche Branchen sind bedroht. Selbst die SBB fürchtet sich. Man vermarktet das alles unterm Schlagwort Digitalisierung.

Konkret versuche ich, die Agile Transformation ganz unten und ganz lokal zu implementieren. Ich lebe vor, was Agilität bedeutet. Ich zeige, ich demonstriere. Ich führe mit Vorbild und Beispiel. Gemeinsam adaptieren wir die Agilität fürs Unternehmen. Ich bin stets bemüht, dass wir einen Standard stabilisieren können. Sobald einen Standard gesetzt, wagen wir den nächsten Schritt, den nächsten Standard. Schritt um Schritt. Das ferne Ziel ist die totale Agile Transformation des Unternehmens. Weil irgendwann wollen wir skalieren.

Warum ich

Unternehmensberater kann man technisch nicht erlernen. Man ist’s oder wird’s. Viele Hochschulabsolventen beschwören das unstete Leben als Unternehmensberater. Sie operieren weltweit und sind ungebunden. Sie werden okay bezahlt. Sie kosten intime Einblicke in unterschiedliche Branchen. Und irgendwann krönen sie ihre Karrieren mit einer Festanstellung im mittleren Management eines ehemaligen Kunden. So die gängige Meinung.

Bei mir ist’s anders. Ich bin kein klassischer Hochschulabsolvent. Mein Lebenslauf ist bekanntlich bewegt. Ich entspreche nicht den gängigen Vorstellungen. Das hindert mich nicht, als Unternehmensberater mich zu profilieren. Denn mich motiviert was anderes. Mich umtreibt, möglichst viele Eindrücke zu sammeln. Ebenso geniesse ich, nicht jeden Arbeitstag als Alltag wiederholen zu müssen. Meine Arbeit fordert mich. Sie ist abwechslungsreich.

bd

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Was bedeutet für mich Liebe?

Liebe bedeutet, wenn ich mich daheim fühle. Wenn es sich richtig anfühlt. Wenn ich nicht zweifle und stets hinterfragen muss. Liebe bedeutet, wenn ich mich angekommen fühle. Liebe bedeutet, wenn ich mich verstanden fühle. Wenn ich mich frei, weil geliebt fühle. Wenn ich mich nicht biegen und brechen muss. Wenn ich denken und atmen kann. Wenn ich nicht arbeiten möchte. Liebe bedeutet, wenn ich nicht nachdenken muss, ob ich das Richtige und es richtig tue.

Liebe bedeutet, wenn ich geliebt werde. Wenn meine Liebe erwidert wird. Wenn ich spüre, dass jemand spürt, dass ich spüre. Wenn ich spüre. Wenn jemand spürt. Wenn ich begehrt werde und ich begehre. Liebe bedeutet, wenn die Zeit stillsteht. Liebe bedeutet mir viel. Liebe bedeutet, wenn ich glücklich mich wähne. Wenn ich in Liebe investiere. Wenn ich geilen Sex habe und dabei liebe. Liebe bedeutet, wenn ich zusammen lesen kann. Liebe bedeutet, wenn ich zusammen alles hinterfragen kann.

Liebe bedeutet, wenn ich mich nicht verstelle. Wenn ich nicht abblocke. Wenn ich mich öffne. Wenn ich all-in gehe. Wenn ich ehrlich bin. Wenn ich über Ängste sprechen kann. Liebe bedeutet, wenn ich meine Träume erzählen kann. Wenn ich mich nicht schämen muss. Wenn ich ungezwungen bin. Wenn ich nicht Angst haben muss. Wenn ich nicht muss. Liebe bedeutet, wenn ich kann und will. Wenn ich darf.

Liebe bedeutet, wenn man sich verschwört. Wenn man unter einer Decke steckt. Wenn man sich vor Welt und Barbarei versteckt. Liebe bedeutet, wenn man sein Refugium hat. Wenn man sich zurückziehen kann. Liebe bedeutet, wenn man gemeinsam entfliehen kann. Liebe bedeutet, wenn man Widerstand leistet. Wenn ohne Liebe Widerstand zwecklos ist. Liebe bedeutet, wenn man aufwacht und nicht vergisst.

Das bedeutet mir Liebe.

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Das Lebensmodell eines Berufsjugendlichen

Ja, wir alle wollen nicht altern. Wir wollen unsere Möglichkeiten möglich wissen. Wir spielen mit Optionen. Wir sind hier und da, tun dies und das. Und tun uns schwer, uns festzulegen. Die totale Finalität verängstigt uns. Wir wollen nicht Entweder-Oder, sondern Sowohl-Als-Auch. Wir schattieren das Leben. Wir bleiben jugendlich. Oder so.

Die Moralprediger

Alle, die einigermassen gesetzt sind, beneiden, welche nicht sich setzenlassen wollen oder können. Das ist bereits ein kleiner Kulturkampf. Hier die Angepassten, die sich arrangieren, nach Heim und Anstand sich bemühen. Dort die Unangepassten, die das Leben verprassen. Beiden gemeinsam ist, dass sie ihre Lebensmodelle überhöhen und die Gegenseite moralisieren.

Der ultimative Berufsjugendliche

Wer mit dreissig das Wahre, Echte, bishin den Schmerz, die Grenzen und die Gefahr sucht und ersehnt, muss früher oder später in eine westliche Weltstadt flüchten. Olten alleine lässt einen nicht spüren, dass man noch lebt. In Olten ist das Konzept eines Berufsjugendlichen, der mit dreissig weiterhin feiert, als könne er die Jugend täuschen, schwer und wird immer schwerer vermittelbar. Es ist schwierig.

Der faustische Drang

Ich kann allen gut nachempfinden, die himmelhoch stürmen wollen. Ich kann allen verzeihen, die immer noch nicht satt genug sind. Ich kann es verschmerzen, wenn mein Umfeld das Unendliche anstrebt. Ich-will-leben. Ich weiss. Und ich schätze das sehr. Unsere Zivilisation baut darauf, dass Unangepasste immer höher, immer weiter und immer schneller vorwärts wollten. Das waren keineswegs Halbstarke, welche fremde Ländereien ausbeuteten, tausendjährige Reiche begründeten oder Konglomerate konstruierten. Nicht die Gier, sondern die Sehnsucht nach Leben, nach Grenzen, nach Härte und nach Gefühlen trieben alle diese Menschen.

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Bitte mit Ziele

Wer ohne Ziele ist, kann gut überleben. Aber er wird vermissen, was andere tief und schwer motiviert und antreibt. Wer mit Ziele ist und welche hat, kann eher begeistern und inspirieren. Ziel-, weil leidenschaftslose Menschen sind zwar “gut” fürs System. Sie schultern gewissermassen das Gesamtsystem. Aber sie sind nicht nachhaltig. Sie verglühen vergebens. Eine Verschwendung.

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Die grosse, weil wichtige Zielfrage übt man, indem man sich kontinuierlich hinterfragt. Wer bin ich? Und wieso bin ich hier? Solche Frage sind fies, weil sie werfen uns zurück.

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Durchbrennen?

Ich kann allen nachempfinden, die durchbrennen möchten. Wer einigermassen offen, achtsam und einigermassen empfindsam hier lebt, wird früher oder später sich hintersinnen, ob er weiterhin sich stets bemühen soll. Ich möchte mich manchmal nicht immer bloss bemühen. Ich möchte tun, was mir gefällt. Ich möchte durchbrennen, mein Sparkonto plündern, meine Säulen veräussern und verreisen.

Italien-Meer

Doch wird’s anderswo besser, schöner als hier? Wird man zufriedener und glücklicher? Was ist der benchmark? Wie kann vergleichen und vermessen? Das Wetter könnte in südlicher Lage gewiss genüsslicher sein. Die Unterhaltskosten gewiss günstiger. Die Menschen gewiss freundlicher und zuvorkommender und sogar hilfsbereiter. Gewiss könnte man den Nutzwert anderer Regionen analysieren und gewissenhaft bewerten. Aber leider werden weltliche Anforderungen übergewichtet und übergewichtig bleiben, die einen in der Schweiz zu verbleiben erinnern. Und das ärgert mich.

Kompetitiver könnte es in westlichen Weltstädten sein. Alleine unser Kontinent zählt mindestens deren zehn. Die Umstände, der Kontext ist dort ein ähnlicher. Zwar funktionieren die dortige Staaten nicht so reibungslos wie der unsrige, aber die klassischen beruflichen Chancen sind vergleichbar intakt. Kompetitiver ist denn auch, was mich lockt. In Olten beispielsweise ist man rasch ausser Konkurrenz. In Zürich habe ich bereits bedeutend mehr Konkurrenz, die einen stimulieren-inspirieren kann. In Zürich können auch Lebensmodelle entworfen werden, die in Olten undenkbar sind. Das verspricht Mut und Zuversicht.

Wohin soll’s denn gehen? Südlich, nördlich, westlich oder östlich? Ich bevorzuge entweder nördlich oder südlich. Vorläufig harre ich aber in Olten. Ich habe mir schon einige Male vorgestellt, wie es wäre, wenn ich auswandern würde. Damals bedeutete für mich Auswandern, nach Biel, La Chaux-De-Fonds, Genf oder nach Dübendorf zu emigrieren. Heute müsste es schon Berlin, Frankfurt oder Boston sein.

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Meine erste Misserfolgsgeschichte – mein enttäuschter Lehrmeister

Ich genoss eine spezielle Lehre. Der Umfang meiner Lehre war ziemlich einzigartig und ungewöhnlich. Ich hatte wirklich eine sichere Basis. Mein Lehrmeister vertraute mir. In dieser Geschichte erzähle ich, wieso ich meinen Lehrmeister enttäuschen musste.

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Ich hatte aussergewöhnlich viele Freiheiten in meiner Lehre. Das war sehr unüblich. Meine Schulkameraden konnte ich stets verblüffen. Weil sie in ihren Gemeindekanzleien, Anwaltskanzleien oder Bankfilialen sich veradministriert-verwaltet fühlten. Ich musste Umsätze generieren; ich durfte Produkte testen und damit grandios scheitern. Und ich wurde mit einem wöchentlichen Barbonus entschädigt, sofern meine Gesamtkosten inklusive Marge gedeckt waren. Das war in der Tat sehr berauschend.

Der grosse Plan

Mein Lehrmeister hat mich zu seinem Nachfolger erkoren. Ich hätte sein Büro und seinen Stamm in Othmarsingen betreuen sollen. Er hätte in Dietikon ein neues Büro eröffnet und den Zürcher Markt bearbeitet. Denn dort war das viele und liebe Geld; viel mehr als im Raum Lenzburg, in Niederlenz, Dottikon oder Wildegg. An einer Verkaufsveranstaltung eines international tätigen Anlagefonds erfuhren wir, dass im Raum Zürich “500 Mio CHF brachliegen”, die man verwalten könne.

Der geplatzte Nachfolger

Ich hätte mit 18 richtig Verantwortung übernehmen sollen. Ich hätte mit dem Auto meinen Kunden besuchen sollen. Ich hätte sie in allen Lebenslagen beraten sollen. Ich hätte mein Lebensstil aber mässigen sollen. Weniger kiffen, weniger trinken, weniger rauchen, weniger ausgehen. Dafür mehr lesen, lernen und mich stets weiterbilden. Das ist alles vernünftig und triffig. Aber ich wollte es nicht verstehen. Ich war damals 18 Jahre jung, das kann man mir verzeihen.

Aber mein Lehrmeister wollte und konnte mir nicht verzeihen. Ich habe ihn enttäuscht. Ich habe sein Vertrauen missbraucht. Doch wie konnte das bloss geschehen? Ich kann mich nicht mehr erinnern, ich habe es wohl verdrängt. Kleine Ereignisse, kleine Enttäuschungen, die isoliert und alleine eigentlich nicht viel bewegt hätten, haben sich gehäuft. Das alles hat sich in einer grossen Enttäuschung verdichtet und bishin erhärtet. Als Abschluss bescheinigte er mir bloss, dass ich eine Lehre absolviert habe. Eine simple Arbeitsbestätigung, mehr nicht. Sie war knapp und trocken formuliert. Ich musste sie sogar selber schreiben, ausdrucken und von ihm signieren lassen.

Der Abschied

Der Abschied war kühl, distanziert. Er warnte mich, dass ich mit meiner Einstellung und Gabe, mir das Leben selber zu erschweren, niemals Erfolg haben werde. Ich werde niemals ein Teil dieser Gesellschaft werden können. Er hatte gewissermassen recht. Denn was danach folgte, war, dass ich mich radikal von dieser Welt abwendete und mich massivst zurückzog. Ich hatte mich verabschiedet.

Aber in dieser Lehrzeit hatte ich sinnigerweise viel gelernt. Und dennoch konnte ich meinen Lehrmeister nicht zufriedenstellen. Ich bin gescheitert. Und ich konnte mich auch nie richtig bedanken. Denn er verstarb einige Jahre später und hinterliess Kinder und Frau. Ich hätte mich gerne ausgesöhnt und ich hätte ihm gerne gedankt, dass er mir die Augen und die Welt damals öffnete. Leider werde ich das nie tun können.

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Meine erste Erfolgsgeschichte – meine eigene Zeitung

Die Lektüre Kohlriesers Fördern und Fordern, die zeitgemässe Management-Bibel, hat mich angeregt, drei Erfolgs- sowie Misserfolgsgeschichten meines Lebens zu reflektieren. Ich möchte heute mit einer Erfolgsgeschichten beginnen.

Ein Computer, ein Anfang

Sehr jung erhielt ich einen Computer, einen ausgedienten Apple Macintosh SE. Ich war neugierig. Ich wollte damit etwas kreieren. Damals hatten wir noch kein Internetz. Dieser Apple wäre auch gewiss nicht internetzfähig gewesen. Ich ersehnte mir das Leben als Journalist, als rasender Reporter.

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Also wollte ich eine Zeitung erschaffen. Ich informierte mich über Zeitungen im Allgemeinen und übers Oltner Tagblatt im Speziellen. Ich hatte die kindliche Vision, eine eigene Zeitung herausgeben zu können. Der Apple unterstützte mich. Es war eine Applikation namens PageMaker vorinstalliert. Ich glaube, das nennt man eine Publishing-Software. Ich experimentierte.

Das dreispaltige Layout

Ich orientierte mich an den grossen Zeitungen, die mir damals bekannt waren. Das Oltner Tagblatt war damals noch sehr grau, dreispaltig und mit einer sehr kleinen Schriftart. Ich vermute, sie bereiteten damals gerade einen grossen Relaunch vor. Ich wollte das Layout des Oltner Tagblattes imitieren. Ich probte, tüftelte, bis ich zufrieden war. Aus heutiger Perspektive war das Layout natürlich unterentwickelt. Aber ich war damals in der 5. Klasse, also ungefähr 11 Jahre jung. Das darf man mir verzeihen.

Going public

Ich hatte eine Ausgabe publiziert. Ich erkundete meine Nachbarschaft, fotografierte analog und schrieb Geschichten. Ich schrieb über den Umbau des Hallenbads im Hinterbühlschulhaus, über die Aktivitäten meiner Jugendgruppe HGD. Ich beschwerte mich über die Verkehrssituation im Hombergerquartier. Und so weiter. Ich war eine richtige Quartierzeitung. Aber ich war alleine. Ich verkaufte die Zeitung von Tür zu Tür. Sie kostete fünfzig Rappen. Gedruckt habe ich sie selber.

In der Schule war ich damals aufgefordert worden, einen Vortrag über ein freiwählbares Thema zu halten. Ich wählte natürlich Zeitung. Darin verglich die Zeitung der Oberstufe und meine Zeitung mit dem Oltner Tagblatt. Der Vortrag begeisterte meine Kameraden. Sie wollten mitwirken. Plötzlich wollten alle profilierten und klugen Kameraden mit mir eine Zeitung gestalten. Das war mein Erfolg.

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Weitere Ausgaben und das Ende

Ich war der unangefochtene Chefredakteur. Wir waren knapp sechs gleichartige Kinder. Ich war für die Auswahl der Beiträge und das Redigieren zuständig. Ich war der unbestrittene “Chef”. Sie arbeiteten mir alle zu. Wir hatten gewissermassen drive. Wir produzierten noch weitere Ausgaben, wir erhöhten den Preis und vertrieben die Zeitung im ganzen Dorf und nicht bloss in meinem Quartier. Allerdings endete der Erfolg bald, weil die Schulbehörde meine Organisation HGD als kriminelle Organisation erklärte. Ich musste alle meine Aktivitäten auf Geheiss eines Jugendanwaltes im Kontext HGD abbrechen. 

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