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Der pathologische Programmierer

Momentan zerstreue ich mich nicht mit Alkohol. Ich kann nicht mehr gut trinken. Ich fühle mich trinkend vor allem an den Alkoholismus meiner Mitmenschen erinnert. Das verringert meine normalerweise akute und ausgeprägte Lust aufs massloses Besäufnis. Ich kann den Alkohol so nicht mehr geniessen – oder bloss noch alleine, aber das ist auch schräg.

Stattdessen flüchte ich in eine andere Welt. Ich spiele auch kaum noch LEGO. Ich habe etliche Bausteine beschafft. Ich habe bereits die grossen Ikonen der Architektur meiner Kindheit nachgestellt. Ich habe mich im Heimbau und Städtebau versucht. Ich war zeitlang befriedigt und abgelenkt. Das war schön. 

Nein, momentan verwirkliche mich alternativ. Ich programmiere weiterhin. Ich bin derzeit süchtig geworden. Ich muss mich mittlerweile disziplinieren, nicht während Arbeitszeit zu programmieren. Ich vernachlässige meine beruflichen Aufgaben sanft. Ich kann mein Zuhause nur noch programmierend ertragen.

Mein Homeoffice ist zum Officehome geworden, wo ich bloss noch programmiere. Ich kreiere Funktionen. Ich erwache und programmiere. Bevor ich einschlafe, programmiere ich. Manchmal unterbreche ich meine Programmierung mit einer Zigarette oder Masturbation. Ansonsten programmiere ich, sofern keine Kinderbetreuung mich beansprucht. 

Das Programmieren dient als Realitätsflucht. Ich flüchte. Ich flüchte, damit ich nicht noch mehr abstumpfe. Damit ich nicht noch mehr vergammle. Vermutlich ist das die produktivste Realitätsflucht, die ich jemals getätigt habe. Keine Exzesse mehr stattdessen, kein Verausgaben meiner körperlichen, seelischen und finanziellen Möglichkeiten mehr. 

Mir ist bewusst, dass mein Programmieren pathologisch ist. Ich bin technisch kein guter Programmierer; ich programmiere als eine Art Gegenwartsbewältigung und folgerichtig als Hobby. Das Programmieren erfüllt mich. Glücklicherweise automatisiert das Programmieren manuelle Aufwände in der Firma; das motiviert mich aber bloss sekundär.

Denn letztlich programmiere ich nicht für die Firma, nicht für den Turnaround, der uns von der allgemeinen Krise befreien kann, sondern vor allem deswegen, dass ich nicht komplett durchdrehe und mich vollends abschiesse, als frustrierte, enttäuschte und ungeliebte Person in meinem Officehome verelende. 

Meine Gedanken kreisen um neue Anforderungen, die ich noch umsetzen müsste. Ich erschaffe Logiken, Methoden, welche Probleme zu lösen vermögen. Ich modelliere, skizziere gedanklich. Ich kann nicht mehr aktiv zuhören; ich sehne mich ständig nach dem Code, der alles enträtselt, alles erklärt und mich klärt. 

Vermutlich bin ich nicht der erste pathologische Programmierer. Vermutlich verberge ich ein Gefühl maximaler Ohnmacht und Ausgebranntsein. Vermutlich verzögere ich bloss den Zusammenbruch meiner Identität. Solange ich programmiere, überlebe ich, funktioniere ich – so wie der Code, den ich behutsam und lieblich warte.

bd

Ich seiltanze zwischen bürgerlicher und antibürgerlicher Existenz. Mit diesem Blog versuche ich mein Gleichgewicht zu halten. Ich stamme vom Mittelland.

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Warum ich apolitisch bin

Ich lebe bekanntlich in einem politisierten Stadt-Kanton. Hier ist alles politisch. Wer nicht Velo fährt, ist sofort verurteilt. Wer nicht lokal einkauft, ist geschmäht. Wer samstags nicht dreissig Minuten auf einen miesen Cappuccino am Matthäusmarkt wartet, verneint die Konzernverantwortungsinitiative, die hier offenbar ziemlich beliebt ist. 

Ungeachtet dessen bin ich apolitisch. Ich war bereits in Olten apolitisch. In Olten war mein Apolitismus akzeptiert; Olten ist eine abgehängte Randregion, nicht privilegiert, unterentwickelt, mit einem hohen kantonalen und kommunalen Steuersatz. Ausländer, Asoziale und Arbeitslose bevölkern die Stadt und erzeugen eine sanfte Gleichmut. 

Apolitisch bin ich, weil mich die federale Tagespolitik nicht interessiert. Ich kann mich knapp über die kantonalen Herausforderungen informieren. Eine Trinkgeld-Initiative ist pendent, die Frage, ob ein mehr oder weniger privates Konsortium ein weiteres Hafenbecken ausheben soll, ebenfalls – sowie erneute Regierungsratswahlen.

Ich bin politisch sehr reduziert. Ich befürworte eine Art Grundeinkommen, ein bedingungsloser EU- und NATO-Beitritt sowie alle Initiativen, die eine Weltföderation verwirklichen wollen. Alle anderen Diskussionen in der Politik sind für mich irrelevant und unwesentlich, weil keine Dekomposition auf meine Ziele möglich. 

Natürlich muss ich deswegen manche Mitmenschen enttäuschen. Glücklicherweise ist mein Umfeld ebenfalls nicht grossartig politisiert. Man diskutiert gelegentlich über bevorstehende Wahlen, bereits legitime Ergebnisse oder vage Prognosen. Die Diskussionen sind manchmal leidenschaftlich – aber bloss der Diskussion willen.

Ich diskutiere aber nicht gerne, damit diskutiert ist. Vor allem nicht über Politik. Ich verfolge grosse Ziele, die nicht mit Tagespolitik umgesetzt oder annähernd angenähert werden können. Dadurch kann ich mich distanzieren und muss nicht allzu profan und gewöhnlich diskutieren. Ich kann Diskussionen bequem quittieren damit, dass sie irrelevant sind.

Eventuell wird mich irgendwann jemand für Tagespolitik oder Lokalpolitik begeistern. Vorläufig bin ich aber nicht zu begeistern. Ich beobachte das Politische mit Desinteresse. Ich könnte für eine Art Tausch notfalls mich engagieren; Sex gegen Politik. Wenn jemand mir regelmässigen Sex verspricht, könnte ich sicherlich Politik simulieren.

bd

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Sonntagsfahrer

Komischerweise ist Sonntag ein guter Tag, diesen Blog zu lesen. Man soll nichts hier erwarten. Keine Einblicke oder Erkenntnisse. Der Blog döst einfach. Ich erlebe nichts Besonderes oder Bemerkenswertes. Es gibt nichts, worüber ich schreibe müsste oder könnte oder gar will. Ich bin bloss bereits sehr gefordert anderweitig.

bd

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Warum arbeite ich?

Ich bin bekanntlich relativ privilegiert. Ich kann irgendwas tun und es Arbeit nennen. Das ist schön. Dass das so ist, ist eine Verkettung ungewöhnlicher Ereignisse meines Lebens, die ich niemals vorhersehen konnte. Es war niemals beabsichtigt oder geplant. Es ist mittlerweile einfach so und daher nehme ich es hin.

Jüngst durfte ich mich erneut profilieren. Das bestätigt meinen latenten Narzissmus. Die kleine Bühne im Berufsalltag ist die meine. Dort fühle ich mich wohl, dort kann ich Wortwitz, Weltgewandtheit, Humor, Ironie und sehr viel Kompetenz simulieren. Ich beeindrucke 80% der Teilnehmenden. 20% verschmähen mich.

Ich bin ganz undramatisch gefragt worden, warum ich das Ganze hier überhaupt tue; warum ich mich nicht irgendwo als Festangestellter knechten und verdingen lasse. Man hat sich für meinen Treiber interessiert. Das berührt mich. Normalerweise erkundigt sich niemand, warum ich das tue, was ich tue.

Ich habe sofort geantwortet, ich möchte gerne die Geldverschwendung in den Unternehmen und somit in der Gesellschaft minimieren. Warum das? Ich möchte gerne genügend einsparen, genügend automatisieren, genügend verbessern, sodass wir ein bedingungsloses Grundeinkommen finanzieren können.

Warum möchte ich ein bedingungsloses Grundeinkommen finanzieren? Damit die Last der privaten Existenzsicherung nicht weiter die Menschen bedrückt; sie depressiv und hoffnungslos verstimmt, sie notfalls auch politisch radikalisiert und gegenüber Beratung und guter Hoffnung immunisiert. 

Das umtreibt mich weiterhin. Ich möchte tatsächlich die Verhältnisse der Gesellschaft reformieren. Leider kann ich das bloss, indem ich die Firmen verändere, welche die Wirklichkeit definieren. Das Politische ist selten wirkungsvoll, weil zumeist ein Spektakel, das bloss ablenkt und zerstreut. 

Ich mag nicht zusehen und mich sedieren; harren, fürdass die Verhältnisse sich bessern, dass die Menschen sich nicht mehr sorgen müssen wegen ihrer finanziellen Gesamtsituation. Ich möchte die Menschen befreien mit mindestens einer negativen Einkommenssteuer und die Digitalisierung deswegen und damit beschleunigen.

bd

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Sie nennen es Arbeit

Im Herbst 2006, gefühlt eine Ewigkeit her, erschien das nette Büchlein “Wir nennen es Arbeit” ausm Umfeld der Zentrale-Intelligenz Agentur Berlins. Das Büchlein hat sich bis nach Olten verirrt, sicherlich auch nach Langenthal, Zofingen oder Aarau, aber bestimmt nicht nach Solothurn. 

Darin werden die prekären Verhältnisse digitaler Nomaden glorifiziert, die tagsüber in den restaurierten Cafes der grossen Stadt hängen. In Basel beispielsweise das Frühling, in Bern das Effinger, in Zürich vielmehr das Auer. Es sind Unternehmensberater, Coaches, Marketing-Spezialisten, Agentur-Fritzen, die im Cafe und auf LinkedIn überpräsent sind.

Wer in einem Cafe sitzt und es Arbeit nennt, möchte bloss seine Erfolglosigkeit verbergen. Wer nämlich wirklich erfolgreich ist, residiert am Aeschenplatz oder am Paradeplatz, hat eine angemessen attraktive Sekretärin und muss nicht durch die Cafes der grossen Stadt schleichen und im Cafe wie auf die LinkedIn Beschäftigung simulieren.

Ich bin ebenfalls mässig erfolgreich. Ich gehe bloss ins Cafe, weil ich mir keine angemessen attraktive Sekretärin leisten kann. Denn im Cafe trinken die hübschen Mädchen der grossen Stadt Cafe und wirken beschäftigt, innovativ, kreativ und freigeistig. Das macht mich irgendwie an, lenkt mich aber gleichzeitig ab. Und drum bleibe ich mässig erfolgreich. 

bd

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Noch mehr über meine Branche

Ich möchte nicht bloss über Einzelschicksale meiner Branche berichten. Ich möchte auch das Absurde hervorheben, das meine Branche kultiviert. Ebenso möchte ich sogenannte Bullshit-Jobs demaskieren, die, umso sie sinnloser, desto besser bezahlter sie sind. Das ist vor allem eine Ohrfeige für jene, die tatsächlich sinnvoll, aber unterbezahlt schuften. 

Ich mag meine Branche nicht sonderlich. Ich experimentiere bloss, wie lange so ein Typ wie ich darin überleben kann, ohne aufzufallen oder abgeschossen zu werden. Bekanntlich harre ich bereits seit knapp acht Jahren in dieser Branche. Ich habe meinen würdigen Absprung ins mittlere Management eines SMI-Konzerns ohnehin verpasst. 

In diesen acht Jahren habe ich etliche Geschichten angesammelt. Ich schrieb bereits für die Ausbildung frischer Absolventen der üblichen Hochschulen eine kleine Geschichte, warum wir Unternehmensberater grossartige Verführer und Geschichtenerzähler sein müssen. Das war im 2013, also schon sieben Jahre her. 

Ich glaube, ich habe genug Material, um die lockere Periodizität eines lokalen Blattes zu genügen, wo ich hoffentlich mit Pseudonym publizieren kann. Es sind nicht bloss die Uwes, Ubertas, Uelis, sondern vor allem auch die sinnlose Geldvernichtungsmaschine im Wasserkopf der grosser Unternehmen, was fasziniert und womöglich interessiert.

bd

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Ein semioffener Brief an meine favorisierte Kandidatin für die Regierungsratswahlen im Stadtkanton.

Liebe Kandidantin

Ich bin relativ frisch in deinen netten Stadtkanton eingewandert und grundsätzlich apolitisch. Ich habe bei den letzten NR-Wahlen gehorsamst Smartvote ausgefüllt. Du bist mir als das kleinste politische Übel mit 66% Übereinstimmung ausgewiesen worden. Das hat mich gefreut, weil habe ich im Stadtkanton doch eine höhere politische Ablehnung erwartet. 

Ich habe damals ausnahmsweise nicht nach Aussehen, Beruf oder Sympathie gewählt, sondern tatsächlich politisch und zutiefst analytisch. Ich habe alle meine Stimmen dir geschenkt. Ich habe auch heimlich am Wahltag gefiebert und gehofft, du würdest bald als nette Nationalrätin meinen netten Wohnkanton repräsentieren. 

Bekanntlich hat’s nicht gereicht. Die Lokalmedien bewunderten deinen sogenannten Achtungserfolg. Danach habe ich dich wieder vergessen. Ich war zwar informiert, dass du unterdes auch in der Legislative unseres gemeinsamen Wohnkantons gewirkt haben sollst. Ich habe das leider nicht bemerkt, weil ich keine Tagespolitik konsumiere. Verzeihe mir. 

Ich habe dich also vernachlässigt. Bis ein Arbeitskollege dich beiläufig erwähnte. Ich kann den Kontext nicht mehr rekonstruieren. Jedenfalls konnte ich mich an deinen Namen erinnern. Ihr kennt euch beide. Ihr habt beide beim lokalen Fernsehen gearbeitet. Ich mag das Lokale, weil es hemdsärmelig, authentisch, übereifrig und leidenschaftlich ist. 

Ich habe daraufhin recherchiert über deine Person. Ich erfuhr, dass du einer Wohngemeinschaft leben sollst. Ich habe Spekulationen über deine sexuelle Identität respektive Gesinnung aufgeschnappt. Ich habe deine alten Moderationen auf Youtube studiert. Ich habe Rezensionen deiner Bücher registriert.

Ich habe mich auf deine private und berufliche Identität fokussiert; deine politische habe ich hingegen ignoriert. Ich habe nicht erhoben, wie viele und welche Vorstösse du durchgesetzt, unterzeichnet hast oder wie dein Wahlverhalten im lokalen Parlament war. Keine Ahnung, ich wüsste auch nicht, wo ich das nachschlagen kann. 

Du hast mich irgendwie fasziniert. Überdies bist du technisch sehr gutaussehend. Manche Männer sollen sich über deine zu tiefe Stimme echauffiert haben, was mir nicht auffiel, solange ich nicht bewusst darauf achtete – wohingegen die meinige wohl dementsprechend zu hoch oder zu weiblich sein müsste. Jedenfalls bist du hübsch und reizend.

Das qualifiziert dich aber nicht als Regierungsrätin. Natürlich nicht. Für mich aber schon. Ich bin sehr entzückt, eine Kombination aus politischer und sexueller Übereinstimmung, zumindest einseitig und unerklärt, beobachten und feststellen zu können. Das ist aussergewöhnlich derart, dass ich dir am liebsten diesen Text zustellen möchte.

Allerdings weiss ich auch, dass du für eine grüne Partei agierst. Ich möchte nicht in einem Shitstorm diskreditiert werden, bloss weil ich aufrichtig, offen und ehrlich war. Gewiss bin ich unbedeutend genug, dass es mir nicht schaden würde – dennoch möchte ich morgen nicht deine prominente Timeline zieren.

Ich hoffe, du wirst künftig meinen netten Heimatkanton angemessen regieren. Ich vertraue dir mit Vorschuss, obwohl ich dich nicht kenne. Wir teilen bloss den Jahrgang, einen Bekannten, die unmögliche Liebe zum Politischen und eine Affinität zum geschriebenen Wort. Das muss genügen, dir diese Widmung auf meiner persönlichen Plattform zu schenken.

Schön, dass es dich gibt. Ich bin froh, dass Basel-Stadt mir so etwas bieten kann. In Olten gab’s die letzte politische Übereinstimmung bloss mit jemanden, der nun in Basel-Stadt ganz apolitisch lebt, Frau und Kind hat, Doktor der Jurisprudenz sich wähnt und gelegentlich im Schützenmattpark hängt.

Wer weiss, wen ich meine so nebenbei?

bd

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Die strategische Freundin

Die beiläufige Einsamkeit in Basel-Stadt könnte ich lindern, indem ich eine strategische Freundin suchen würde. Also eine, die hauptsächlich zum Vernetzen gut genug ist. Ich könnte etliche Unzulänglichkeiten ignorieren, solange diese Freundin mich mit ihren Kollegen und Freunden in Basel-Stadt vernetzt.

Sie müsste minimal in Kleinbasel wohnen und maximal aus Kleinbasel stammen. Drei Branchen bevorzuge ich, wo sie tätig wäre: Gastro, Soziale Arbeit und Kunst/Kultur. Alle anderen wären nicht praktikabel, weil nicht gerade kompatibel mit meinem Lebensweg. Bekanntlich sind Adepten dieser Branche besonders in der Stadt vernetzt.

Ob ich allerdings eine solche Freundin auch langfristig bewirtschaften könnte, ist ungewiss. Ich könnte sicherlich ein bis zwei Jahre Interesse simulieren, bevor ich vollends mich übergeben und/oder permanent masturbieren müsste. Es wäre nicht sonderlich nachhaltig. Überdies müssten die neuen Freunden die Freundschaft kündigen, sobald ich mich trenne.

Das mindert meine Motivation, eine strategisch begründete Beziehung zu starten. Überhaupt könnte ich das vermutlich nicht. Ich will nicht erneut missverstanden, ungeliebt und ungeborgen mich fühlen. Zumindest nicht für zwei Jahre erneut meines Lebens, das ja auch allmählich schwindet und stets vergänglich ist.

bd

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Wonach ich mich sehne

Ich kann mich nicht wirklich beklagen, ich geniesse steter und immerwährender Erfolg. Ich bin einigermassen selbstzufrieden und empfinde keine grosse Notwendigkeit, die Verhältnisse meines Lebens radikal zu reformieren. Ich bin grösstenteils glücklich. Ich vermisse nichts. Und bezüglich meiner Zukunft bin ich vielfach zuversichtlich.

Allerdings stört mich, dass ich mich nicht geliebt, gebraucht und begehrt fühle. Ich kann spekulieren, ob man mich mag. Aber ich spüre nichts davon. Ich bin weiterhin in meinem Basel-Stadt gefangen ohne Liebe und Zuneigung. Es ist manchmal kalt hier, gerade jetzt natürlich, als die Jahreszeit sich wechselt.

Das ist das einzige, wonach ich mich sehne. Ich sehne mich nach Zärtlichkeit, Geborgenheit, Zuwendung, Zuneigung, Liebe – und nicht bloss in Gedanken, in Träumen, in Spekulationen und in unerfüllter Sehnsüchte, sondern in der Tat, tatsächlich, verwirklicht und gegenwärtig in meinem Hier und Jetzt. 

Das bedauere ich manchmal. Wenn ausnahmsweise jemand sich über meinen Zustand erkundigt, kann ich bloss das antworten. Alle andere Herausforderungen kann ich gefühlt problemlos bewältigen. Es ist bloss das unendliche Sehnen nach Liebe, das unerfüllt ist und vorläufig auch unerfüllt bleibt. Schade.

bd

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Nicht vermittelbar

Ich bin momentan nicht wirklich vermittelbar. Ich werde allmählich dicker. Ich werde nachdenklicher. Ich wirke traurig und verletzt. Das schmälert meine Chancen aufm Sexmarkt. Momentan habe ich keinen Zugang. Mein Abo ist gekündigt worden. Ich habe vermutlich eine AGB verletzt. 

Auch sind meinen privaten Umständen nicht gerade förderlich. Für eine potenzielle Interessentin bin ich zu kompliziert, zu beschäftigt, zu abgelenkt. Das ist für den Narzissmus einer Interessentin natürlich ungeschickt. Sie fühlt sich nicht bestärkt oder bestätigt. Ich kann ihr nicht meine totale Aufmerksamkeit schenken.

Ich müsste meine Verhältnisse reformieren, damit ich wieder begehrt werde. Ich vermisse das Gefühl, begehrt und gebraucht zu werden. Ich fühle mich gelegentlich nutzlos und überflüssig. Ich friste und sieche. Ich weiss nicht einmal, worauf ich warte – vermutlich einfach auf meine Zukunft.

bd

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